Neue Weichenstellung

Ein neuer Abschnitt im recht wechselvollen Leben des Vereins begann. Karl Wilhelm Roth, 1. Vorstand, Hermann Nagel, 2. Vorstand, Adolf Schlenker, Schriftführer, Otto Stern, Kassier, bildeten zusammen mit Musikervorstand Eduard Ott die Spitze des Vereins. Heini Weyh aus Neureut hatte die Stabführung inne.

 

Unter der Führung dieser Männer begann nun wieder intensive Jugendarbeit. Das Ziel war zunächst die Aufstellung einer Schülerkapelle, die man später langsam ins Seniorenorchester zu integrieren gedachte. Über zwanzig Jungen meldeten sich und wurden ausgebildet. Den theoretischen Teil dieser Ausbildung übernahm der damalige Konrektor der Volksschule, Oskar Hotz, während die praktischen Grundlagen von routinierten aktiven Musikern der Seniorenkapelle in den einzelnen Registergruppen der Instrumente gelehrt wurden, deren Gesamtleitung Karl Wilhelm Roth und Oskar Hotz Übernahmen.

Bei der Winterfeier 1962 trat die neu gegründete Schülerkapelle zum ersten Mal öffentlich auf und fand für ihre musikalischen Darbietungen unter der Stabführung von Herrn Oskar Hotz viel Anerkennung und erntete reichen Beifall. In den folgenden Jahren steigerte sich das Leistungsniveau und das musikalische Können durch verbesserte, ausgefeilte Technik und Dynamik erheblich, so daß zum Beispiel bei einem Kritik- und Wertungsspielen in Ettlingen sehr gut abgeschnitten werden konnte. Ein Besuch bei alten und kranken Mitgliedern am Neujahrstag, denen die Jugendkapelle kleine Ständchen spielte, war für manchen eine große Überraschung und ganz bestimmt ein schönes, unerwartetes Geschenk.

Aber nicht nur die Jugend, auch die Senioren machten wesentliche Fortschritte. Ein nicht alltägliches Ereignis war sicherlich das Auftreten der Kapelle des Musikvereins Lyra im Rundfunk. In der Sendung "Mit Völksmusik ins Land hinaus" umrahmte das Eggensteiner Blasorchester unter der Leitung von Heini Weyh die humoristischen Ausführungen Albert Hofeles Über Eggensteiner Vergangenheit und Gegenwart.

Im Jahr 1963 bestritt Eggenstein das Bezirksmusikfest, bei welchem neben den gastierenden Vereinen auch die Leistungen der einheimischen Blaskapelle und ganz besonders aber die des Jugendorchesters mit viel Applaus belohnt wurden.

Ein Jahr später, beim 40-jährigen Jubiläum des Vereins. weiches mit der Winterleier verbunden war, stellten sowohl die Senioren als auch die Jungbläser ihr Können unter Beweis und spielten sich bald in die Herzen der zahlreich erschienenen Musikfreunde.

Bereits 1965, inzwischen war die ehemalige Jugendkapelle in die Seniorenkapelle eingereiht worden und trug zu einem wesentlich volleren Klangkörper bei, feierte eine neu ausgebildete Schülerkapelle mit Erfolg Ihren ersten Auftritt in der Öffentlichkeit, und die Bemühungen um die Jugend und die Förderung der Jugendarbeit hatten wiederum ihren Lohn und ihre Rechtfertigung gefunden.

Einen in musikalischer Hinsicht großartigen Rahmen bildete die Kapelle des Musikvereins Lyra Eggenstein bei der 1200 - Jahrfeier der Gemeinde Eggenstein im Sommer 1965 und wurde bei diesem Anlaß zu einer echten Werbung für die Volks- und Blasmusik.

In der weiteren Folge zeichnete sich der Musikverein immer wieder durch gelungene Konzerte aus, so z.B. durch Platzkonzerte an Ostern sowie bei Besuchen von Festlichkeiten bei Vereinen der näheren und weiteren Umgebung. Mit ganz besondere Leistungen warteten die Musiker bei der in der Fächerstadt Karlsruhe 1967 stattfindenden Bundesgartenschau auf. Sowohl im Stadtgarten als auch im Schloßgarten gaben die Musiker unter der Stabführung ihres Dirigenten Heini Weyh zusammen mit der Nachbarkapelle Neureut Proben ihres reifen Könnens und ernteten vom sachkundigen und sehr zahlreich erschienenen Publikum viel Beifall und Lob für die technisch und klanglich einwandfreien Vorträge.

1968 wurde der langjährige Vorstand Karl Wilhelm Roth für seine großartigen Verdienste um den Musikverein Lyra Eggenstein zum Ehrenvorstand ernannt. Sein Amt und damit die Führung des Vereins übernahm Erwin Kast. Unter seiner Regie und mit Hilfe einer stark verjüngten Verwaltung strebte der Verein weiter nach oben. Im gleichen Jahr fand in Eggenstein vom 20. bis 22. Juli das Bezirksmusikfest statt. Viel gute Musik und ausgezeichnete Unterhaltung ließen alle Besucher dieses Festes auf ihre Kosten kommen. Die Trachtenkapelle aus Altenheim, die Schwarzachtaler Trachtenkapelle mit ihrer bekannten Stimmungsmusik und die Stadtkapelle Harmonie Karlsruhe boten dabei besondere Leckerbissen dar und trugen viel zum Gelingen dieses Festes bei.

Am Ende des Jahres 1968 gab es eine Begegnung von nicht alltäglicher Art. Vom 5. bis 9. Dezember gastierte in Eggenstein die tschechische Bergmannskapelle aus Zbuch bei Pilsen. Da es schwierig für die Menschen im Ostblock war, in den Westen zu reisen, waren viele Besprechungen und ausführliche Briefwechsel erforderlich, um diesen Besuch zu ermöglichen. Nach großer Ungewißheit kamen die Gäste schließlich am 5. Dezember in einem nicht gerade aufs Modernste ausgestatteten Bus nach langer Fahrt, die durch intensive Kontrollen an der Grenze noch verlängert wurde, in Eggenstein an.

Nach dem Begrüßungsmarsch des Musikvereins Eggenstein suchten die Gäste ihre Quartiere auf. Einer Besichtigung Eggensteins und dessen Umgebung am nächsten Morgen folgte am Abend ein Konzert in der Turnhalle. Nach den freundlichen Begrüßungsworten von Vertretern der Gemeinde und führenden Persönlichkeiten des Volksmusikverbandes gaben unserer tschechischen Freunde ein zweistündiges Konzert. Was sie dabei boten, versetzte selbst erfahrene und gute Musiker in Staunen. Ein Brillantfeuerwerk musikalischer Kunst gab den Zuhörern oft Grund zu lautstarkem Beifall. Ouvertüren, Potpourris und Intermezzi in feinster und klarster klanglicher Reinheit und Exaktheit in der Technik wurden abgelöst von Märschen, Walzern und Polkas echt böhmischen Stils; gerade diese typischen- böhmischen Weisen, insbesondere die Polkas, vorgetragen mit musikalischer Reife und viel Dynamik, ließen die Herzen der Zuhörer höher schlagen.

Selten wird man ein von Laienmusikern vorgetragenes Konzert in dieser Art und mit diesem hohen Niveau hören können, wie die Bergmannskapelle aus Zbuch es darbrachte. Am folgenden Tag bummelten die Gäste aus der Tschechei, begleitet von aktiven und passiven Mitgliedern, durch die Stadt Karlsruhe. Mit vielen Eindrücken und kaum die richtigen Worte findend, kehrten sie in ihre Quartiere nach Eggenstein zurück.

Am Abend trafen sich die Musiker zur Winterfeier im Gasthaus zum "Lamm". Nach dem Konzert des Musikvereins Lyra und einer großen Tombola wurde mit Tanz und Unterhaltungsmusik bis in den frühen Morgen gefeiert. Am Sonntag abend fanden sich alle Musiker und Quartiergeber zu einem gemütlichen Beisammensein mit Musik im Vereinslokal zum "Badischen Hof" ein. Die Gäste überreichten jedem ihrer Quartiergeber einen hölzernen, handgemachten Bierkrug mit Deckel und Malerei und stellten dann zur Überraschung und zur Freude aller Anwesenden ein Faß echten Pilsener Bieres bereit, das in den geschenkten Bierkrügen noch einmal so gut schmeckte.

Am nächsten Morgen trafen sich die Gäste zur Abfahrt in die Heimat am Rathaus. Im Bürgersaal erwartete Bürgermeister Emil Knobloch die Gäste zum Abschied. Mit bewegten Worten sprach der Manager und Übersetzer der Tschechen und dankte für die freundliche Aufnahme. Er sprach die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in der CSSR aus. Mit dem Marschlied "Muß i denn zum Städtele hinaus" verabschiedeten sich die Musiker aus der Tschechei und traten mit etwas Schwermut, aber in der Gewißheit, viele neue Freunde gewonnen zu haben, die Heimfahrt an.

Bereits ein Vierteljahr später nahmen die Eggensteiner Musiker die Einladung zum Gegenbesuch in der Tschechei wahr. Der Höhepunkt dieses Besuches war der alljährlich stattfindende Bergmannsball in einer großartig hergerichteten Kulturhalle in Zbuch. Im Wechsel spielten die Kapellen aus Eggenstein und Zbuch zum Tanz und zur Unterhaltung auf.

Nach der Heimkehr wußte jeder, daß die Musik wieder einmal auch über streng behütete Grenzen Freundschaft von Mensch zu Mensch und Volk zu Volk geschlagen hatte.

In der folgenden Zeit setzten die Musiker ihren Konzertreigen unter ihrem neuen Dirigenten Erich Hohler aus Karlsruhe, einem durch Philharmonie und Theater erfahrenen Berufsmusiker fort, wobei ein Wunschkonzert am 1. Mai 1970 in der Turnhalle eine besondere Delikatesse für das Publikum darstellte.

Eine sehr junge Verwaltung Übernahm, unter der Leitung des bisherigen Musikervorstandes Eduard Ott als neuem Vorsitzenden ab 1972 die nicht immer einfache Aufgabe, die Geschicke des Vereins zu lenken. Bei Veranstaltungen und Vereinsausflügen konnte man die Verbundenheit und das gute Verständnis zwischen Aktiven und Passiven erfreulicherweise mehr als gut bezeichnen und sehr gute Zusammenarbeit erkennen.

In der Folgezeit besuchte die Kapelle die örtlichen und viele auswärtigen Vereine bei Festen und Jubiläumsfeiern. Ein Hafenkonzert im Karlsruher Rheinhafen sowie ein Stadtgartenkonzert anläßlich des 75-jährigen Jubiläums der "Harmonie Karlsruhe" fand ebensoviel Beifall, wie die Teilnahme am Bundesmusikfest vom 14. bis 16. Mai 1971, bei dem der Musikverein Eggenstein in der Oberstufe ausgezeichnete Noten und Kritiken erspielte. Beim 75-jährigen Jubiläum des Musikvereins Weingarten, verbunden mit dem Verbandsmusikfest des Volksmusikverbandes BadenPfalz vom 26. - 28. Mai 1973 war das Eggensteiner Blasorchester ebenfalls vertreten.

Einen weiteren Höhepunkt im Vereinsleben des Musikvereins Lyra stellte die Feier des 50-jährigen Bestehens als selbständiger Verein dar, die vom 24. bis 27. Mai 1974 stattfand. Einem gemütlichen Beisammensein mit Musik am Himmelfahrtstag folgte am Freitag ein Ehrenabend. Außer der Kapelle des Vereins unter der Leitung von Erich Hohler spielte auch der Musikverein Harmonie Karlsruhe unter Karl Pfortner auf. Außerdem wirkten die beiden ortsansässigen Gesangvereine Frohsinn und Liederkranz mit. Der Sonntag stand im Zeichen des Freundschaftsspielens, an dem sich zehn Vereine beteiligten. Das Fest klang am Montag mit einer "Hitparade" aus, die vom Musikverein Neureut und der Lyra bestritten wurde.

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