Am Anfang stand die Feuerwehr

Schon lange vor der Gründung der "Lyra" wurde in Eggenstein die Volksmusik gepflegt. Dies geht aus dem im Jahre 1690 begonnenen Protokollbuch des "Fleckens Eggenstein" hervor, in dem es im Zusammenhang mit der "Rheinkorrektion" 1818 in Eggenstein wörtlich heißt: "Da ist der Vogt Neck mit 30 jungen Burschen von 20 Jahren alt mit klingendem Spiel vom Ort bis an den Rhein hinüber ... Da wird vor Freuden geschossen und Musik gemacht ... Da hat man mit Glockenspiel gelitten und ist mit Musik und Flambo - was so viel wie Feuerwerk bedeutet. - und Schießen in das Wirtshaus eingezogen."

 

Es wird in diesem Zusammenhang zwar nicht erwähnt, ob die Musiker vom Ort stammten oder dieses Festtags wegen von auswärts kamen, aber man geht bestimmt nicht fehl in der Annahme, dass es sich um ortsansässige Musikanten handelte.

Konkretes über die Existenz einer Musikkapelle kann man aus dem Protokollbuch der Freiwilligen Feuerwehr in Eggenstein erfahren. Diese wurde im Jahre 1864 durch den Bierbrauer Ludwig Schnürer und Ratschreiber Ludwig Hügle gegründet. Schon kurz nach der Gründung äußerte das Korps den Wunsch nach einer Musikkapelle. um "die Mißstände, die man durch Militärmusiker hatte", zu beseitigen. Die von der Wehr beschafften Instrumente wurden an musikliebende Männer ausgegeben. Laut Protokollbuch spielten damals in der Kapelle: Wilhelm Ehmann, Friedrich Seufert, Karl Schmitt, Leopold Braun, Philipp Kölner, Wilhelm Kuch, Ludwig Kiefer und Johann Ratzel.

Nach dem Krieg 1870/71 fiel die Kapelle jedoch auseinander. Im Jahre 1875 fanden sich aber wieder beherzte Männer zusammen und gaben Impulse zum Wiederaufbau einer Kapelle. Immer mehr Musikbegeisterte traten durch die aufopferungsvolle Arbeit und die unermüdliche Mitgliederwerbung des Mitbegründers Philipp Köhler ein, so dass es bald zwei Kapellen gab. Eine führte den Namen "Köhlerphilipper", die andere "Krautenauer Kapelle". In der weiteren Zeit "versorgten" diese beiden Bläsergruppen sämtliche Festlichkeiten und Kirchweihen im Ort und in der näheren Umgebung mit Musik.

Bald jedoch kam eine harte Zeit für Musikkapellen. Die Kriegsjahre 1866 um die Vorherrschaft in Deutschland zwischen Preußen und Österreich und 1870/71, während des deutsch-französischen Krieges waren schwierige Zeiten für den Verein. In der Zeit während und nach dem Ersten Weltkrieg war nicht viel von einer Volksmusik in Eggenstein übriggeblieben.

Erst nach der Inflation, die im Jahre 1923 ihren Höhepunkt erreichte, besann man sich 1924 endlich wieder der Musik und wieder gab die Feuerwehr den Anstoß.

Die Freiwillige Feuerwehr beging 1924 das 60-jährige Jubiläum und als man im Frühjahr zusammenkam, um die Vorbereitungen für dieses Fest zu treffen, gaben viele Feuerwehrmänner dem Wunsch Ausdruck, wieder ein Blasorchester aufzubauen. Aus gemeindeeigenen Mitteln wurden Instrumente beschafft, die Musiker erklärten sich bereit mitzumachen und es gab wieder eine Feuerwehrkapelle.

Der Wunsch der Musiker, ganz besonders aber der des Dirigenten Karl Friedrich Schäfer, war es, nicht zu sehr in Abhängigkeit der Feuerwehr zu stehen, sondern als selbständige Kapelle der Volksmusik dienen zu können.

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