Zauberhafte Fantasiewelten: Bravouröse Bläser der „Lyra“ brachen ins Reich der „Märchen, Mythen, Sagen“ auf

Eggenstein-Leopoldshafen (awe). Max und Moritz sind in die Jahre gekommen, ihre Streiche aber bereiten Jung und Alt Vergnügen wie eh und je. Beim Winterkonzert des Musikvereins Lyra Eggenstein spielten die der Fantasie Wilhelm Buschs entsprungenen sarkastischen Lausbubengeschichten eine besondere Rolle. Sie reihten sich ein ins Motto „Märchen, Mythen, Sagen“. Das malten die Bläserinnen und Bläser bei stark präsenter Jugend und einem fulminanten ersten Orchester in der vollen Leopoldshafener Rheinhalle farbenprächtig aus.

Den Anfang gaben die Bambinis mit Janine Mose und Diana Ihloff mit zauberhaften Filmmelodien. Das Schülerorchester mit Julia Hecker huldigte Walt Disney mit „Mary Poppins“. Mit seiner „80er Kult/Tour“ machte das Jugendorchester Dampf und Laune bis zur fidelen „Maske des Zorro“. Es zeigte unter Mathias Dürr und Marc Mehler richtige Klasse, wobei die Jüngeren zuvor überzeugende Kostproben fruchtbarer Jugendarbeit ablieferten. Die vom Publikum geforderten Zugabenwünsche erfüllten die Ensembles nur zu gerne. So hatte der Nachwuchs reichlich Gelegenheit sein Können auszuspielen. Dem folgte noch die Verabschiedung der aus ihren Posten scheidenden Mathias Dürr, Julia Hecker und Nadine Uhrig.

Zum Anwärmen stieg das erste Orchester recht spät locker, entspannt und schön mit Jacob de Haans „Yellow Mountain“ ein. Aufwecken musste es das längst angeheizte Publikum nicht. Mit Marco Pütz´ vertonter Novelle von Annette von Droste-Hülshoff setzte es dann im Geist dieser kriminalistischen Milieustudie starke Akzente in sauberster Spielkultur, solistischen Feinheiten, mit Flexibilität im spannenden Wechsel der Stimmungen, Farben und Effekte. Eine ungewöhnliche Musik, einprägsam, sphärisch dunkel wie forsch rhythmisch, deren Anspruch die Musiker mit Bravour nahmen.

Mario Bürkis vier Szenen aus Buschs Comics-Vorläufer auf die Bühne zu bringen, entfachte beim Orchester die Freude, die im Saal widerhallte. Unter berufenen Händen ihres gerade mit Auszeichnung zum Master im Fach Blasmusikorchester gekürten Dirigenten Marvin Stutz kristallisierten die Musiker das dem Werk eigene Geschehen mit seinen musikalischen Charakterzeichnungen differenziert heraus. Leibhaftig vor Augen traten Witwe Bolte, Lehrer Lämpel oder Onkel Fritz dank Schauspieler Jonathan Bruckmeier als würzigem Sprecher vom Badischen Staatstheater. In solch köstlicher Kombination kam die Musik sehr attraktiv daher: impulsiv, romantisch vollmundig, mit Tupfern und mächtig bis zur im Paukenschlag explodierenden Lehrerpfeife. Hatte zuvor schon Jan van der Roosts „Puszta“ den Kreislauf aufgemischt, kam beim Western-Ritt mit Hits von Ennio Morricone der nächste Schub. Swingend, launig und saftig ging es mit Lenard Bernsteins „West Side Story“ dem umjubelten Finale eines langen Programms entgegen, dem die Zugaben bei prasselndem Applaus noch eins draufsetzten.

(Mit freundlicher Genehmigung der BNN)

 

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